Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt

Stoltze-Brunnen

Objekt: Stoltze-Brunnen
Standort: Hühnermarkt
Stadtteil: Innenstadt
Künstler: Schierholz, Friedrich
Material: Brunnenstock: Sandstein, Bronze-Büste, Bronze-Tafeln
Entstehung: 1895
Aufstellung: Zum Gedenken an den Lokalpatrioten und Heimatdichter Friedrich Stoltze.
Eigentümer: Stadt Frankfurt

„Es is kaa Stadt uff der weite Welt, / die so merr wie mei Frankfort gefällt,
un es will merr net in mein Kopp enei: / wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“

Friedrich Stoltze war Schriftsteller und Verleger in Frankfurt und trat für die nationale Einheit Deutschlands und ein demokratisches und republikanisches Staatswesen ein. Geboren 1816 in Frankfurt, kannte er schon als Kind die liberal Gesonnenen, die in der Gastwirtschaft seines Vaters, Zum Rebstock am Dom, ein und aus gingen. 1860 gründete er die Wochenzeitung Die Frankfurter Latern, sein Hauptwerk, in der seine satirischen Texte erschienen; da er kein Blatt vor den Mund nahm, kam es immer wieder zu Konflikten mit der Zensurbehörde. Heute kennt man Stoltze vor allem als einen Mundartdichter; die eingangs zitierten Verse stammen aus seinem Gedicht Frankfurt.

Der 1895 entstandene Stoltze-Brunnen befindet sich seit 2017 wieder an seinem originalen Standort auf dem Hühnermarkt. Dabei wirkt die Neue Altstadt wie eine Kulisse für das alte Werk. Faszinierend und diskussionswürdig zugleich – denn das gesamte Viertel, 35 Häuser auf 7.000 Quadratmetern, stammt nicht etwa aus dem Mittelalter, sondern wurde zwischen 2012 und 2018 in den entsprechenden Formen neu gebaut: mit spitzwinkligen Giebeln, Fachwerk, Erkern, mit Wandmalereien, Skulpturen und Hauszeichen. Teilweise handelt es sich um Rekonstruktionen alter Stadthäuser, teilweise um sogenannte schöpferische Nachbauten. Auch der Hof Rebstock, in dem sich das Geburtshaus Stoltzes befindet, steht wieder; genau gegenüber übrigens das Stoltze-Museum.
Was Friedrich Stoltze wohl zum Projekt Neue Altstadt beigetragen hätte – womöglich lauter Spottschriften darüber, „Heimat“ heute im Mittelalter zu suchen?

Text: Christine Taxer, 2021