| Objekt: | A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt |
| Standort: | Konstablerwache |
| Stadtteil: | Innenstadt |
| Künstler*in: | Echelman, Janet |
| Material: | UHMWPE-Seile (Ultra High Molecular Weight Polyethylene), farbige Schnur |
| Entstehung: | 2026 |
| Aufstellung: | 2026 |
| Eigentum von: | Janet Echelman |
Als riesiges, zartfarbiges Wolkenobjekt schwebt Janet Echelmans mehr als 200 Quadratmeter große Netzskulptur in über 7 Metern Höhe über dem Plateau der Konstablerwache. Die tragende, bewegliche Netzstruktur ist aus handgespleißten, hochfesten Polymerfasern, wie sie auch in der Raumfahrttechnik eingesetzt werden. Daran sind farbige, bis zu 4,5 Meter lange Netzsegmente befestigt, die in traditioneller Fischernetztechnik geknüpft sind. Im Zusammenspiel mit Wind, Wetter und Lichtverhältnissen verändert sich die Arbeit fortwährend. Mit einbrechender Dunkelheit wird sie durch die von der Künstlerin entwickelten Lichtpartitur zu einem nahezu immateriellen, changierenden Leuchtobjekt.
Die international bekannte US-amerikanische Künstlerin schuf A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt im Rahmen der “WDC 2026, World Design Capital 2026 Frankfurt und Rhein-Main“ für die Stadt. Die Arbeit ist für eine Dauer von zunächst drei Jahren auf der Konstablerwache installiert. Echelman beschreibt ihre künstlerische Arbeit als Eingriffe in die Wahrnehmung von Orten, und nicht primär als Schaffung autonomer Werke. Kunst soll nicht dekorieren, sondern Räume neu erfahrbar machen. Entscheidend ist für sie die tatsächliche körperliche Erfahrung der Kunst vor Ort. Diese kann beiläufig entstehen, mitten alltäglichen urbanen Treiben, ohne Vorwissen oder Erwartung: “All you have to do is look up“, sagt die Künstlerin (Janet Echelman im Interview mit Guy Kawasaki, 2024 letzter Zugriff am 10.07.2026).
Echelman sucht nicht nach den repräsentativen, bereits “funktionierenden“ Orten. Ihr besonderes Interesse gilt Stadträumen, die als anonym, problematisch oder unsicher empfunden werden. Die Konstablerwache ist ein solcher Ort: ein zentraler, hochfrequentierten Platz in der Innenstadt, der zugleich von sozialen Spannungen geprägt ist und jenseits der beiden wöchentlichen Markttagen bislang wenig Aufenthaltsqualität bietet. Gerade an solchen Orten besitzt Kunst für Echelman das Potenzial zu verändern, wie urbane Räume genutzt und erinnert werden. Ihre Arbeit versteht sie dabei als Einladung: “Die Menschen in Frankfurt entscheiden, wie sie den Raum nutzen möchten. Es ist ihre Skulptur.“ (Interview mit Janet Echelman, FAZ vom 23. März 2026). Damit berührt A Sky Full of Hope aktuelle Fragen nach der sozialen Wirksamkeit von Kunst im öffentlichen Raum und dem Zusammenhang von Stadtraum, Kunst und Wohlbefinden.
Die Frankfurter Arbeit ist Teil von Echelmans Earthtime-Serie. Die Zahl im Titel steht für die Mikrosekunden, um die sich der Tag auf der Erde durch die Beschleunigung der Erdrotation aufgrund eines einzelnen geologischen Ereignisses verkürzt hat. Earthtime 1.78 bezieht sich auf das schwere Tōhoku-Seebeben im März 2011 vor der Ostküste Japans, das den verheerenden Tsunami und die Havarie des Atomkraftwerks in Fukushima auslöste – ein lokales Ereignis von globaler Tragweite. Für die Formfindung der Netzskulptur ließ sich Echelman von den Messdaten inspirieren, die die Veränderung der Wellenhöhen im Pazifischen Ozean während des Bebens aufnahmen.
Durch diesen konzeptionellen Bezug, sowie durch die Idee des Netzes an sich, verweist Echelmans Arbeit darauf, dass wir Teil komplexer Systeme gegenseitiger Abhängigkeiten sind: ökologisch, räumlich und sozial. Das Netz reflektiert insofern auch das WDC-Leitthema “Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ und lässt sich als Sinnbild für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft verstehen: Jeder Knoten zählt, jede Verbindung trägt zur Stabilität des Ganzen bei. Erst die Vielfalt und Vielschichtigkeit der Beziehungen – und die Fähigkeit, im ständigen Spiel der Kräfte neue Gleichgewichte zu finden – machen das Netz belastbar.
Text: Heike Sütter, 2026
A Sky Full of Hope, Janet Echelman, Visualisierung: Atelier Markgraph