Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt

Echelman, Janet

geb. 1966 in Tampa, Florida
arbeitet zur Zeit bei Boston, Massachusetts

Janet Echelman zählt zu den international renommiertesten Positionen der Kunst im öffentlichen Raum. Ihre im Luftraum schwebenden Netzskulpturen besitzen oft den Maßstab von Gebäuden oder ganzen Bauensembles. Im Zusammenspiel von traditionellen Knüpftechniken, innovativen Hochleistungsfasern und computerbasiertem Engineering schafft die Künstlerin leichte, bewegliche Formen, die auf Wind, Wetter und Licht reagieren. Echelman macht damit Naturkräfte sichtbar und verweist zugleich auf wechselseitige Verbundenheit von Menschen, Orten und planetaren Kräften. Menschliche Schöpfung und Kräfte der Natur sind so buchstäblich miteinander vernetzt.

Nach ihrem Abschluss in Visual & Environmental Studies an der Harvard University studierte Echelman chinesische Kalligrafie und Pinselmalerei an der Hong Kong University, bevor sie für mehrere Jahre nach Bali zog. Dort arbeitete sie mit lokalen Kunsthandwerkern zusammen und verband traditionelle textile Techniken mit zeitgenössischer Malerei. Anschließend absolvierte sie Aufbaustudiengänge in Malerei und Psychologie.

Eine entscheidende Wendung nahm ihr Werk während eines Fulbright-Stipendiums in Indien. In einem tamilischen Fischerdorf wartete Echelman vergeblich auf die Ankunft ihrer Malutensilien und beobachtete währenddessen die Fischer bei der Arbeit an ihren Netzen. In ihnen erkannt sie die Möglichkeit, räumliche Körper zu schaffen, die jede Bewegung des Windes aufnehmen und in immer neue Formen übersetzen. In Zusammenarbeit mit den Fischern entstanden ihre ersten Netzskulpturen.

Mit dem Wunsch, größere und formal komplexere Werke zu entwickeln, stieß Echelman bald an die Grenzen vorhandener digitaler Werkzeuge. Ab 2001 begann sie, gemeinsam mit Informatikern und Ingenieuren eigene Programme zu entwickeln. Diese ermöglichten es, komplexe Netzgeometrien zu visualisieren und ihr Verhalten unter Berücksichtigung von Zug- und Gravitationskräften, Wetter, Material und Produktionstechnik zu simulieren. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Forschung sind seither zentrale Bestandteile ihrer künstlerischen Praxis.

Echelman gehört damit zu den Pionier*innen jener künstlerischen Positionen, die seit den 2000er Jahren die Grenzen klassischer Gattungen überschreiten und an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie arbeiten. Zugleich lassen sich kunsthistorische Bezüge zur Environmental Art herstellen, die das Verhältnis von Menschen und Umwelt in den Blick nimmt, ebenso zum Light and Space Movement, das sich mit Licht, Raum und Wahrnehmung auseinandersetzt. Besonders aufschlussreich ist jedoch die Verbindung zur Textilkunst. Echelmans Werk lässt sich in die Neubewertung textiler Praktiken seit den 1960er Jahren einordnen. Sie galten lange als typisch weibliche, häusliche Arbeiten und wurden gegenüber den klassischen Bildkünsten hierarchisch abgewertet. Künstlerinnen wie Lenore Tawney oder Sheila Hicks trugen wesentlich dazu bei, textile Techniken aus dem Bereich des Kunsthandwerks in den Kanon der zeitgenössischen Kunst zu überführen. Echelman führt diese Entwicklung fort und transformiert sie zugleich: Sie kombiniert textile Praktiken mit digitalen Technologien und ingenieurwissenschaftlicher Verfahren und überträgt sie in den monumentalen Maßstab des öffentlichen Raumes.

Echelmans Netzskulpturen wurden an bedeutenden Orten weltweit gezeigt, unter anderem am Oxford Circus in London, an den Rathäusern in Sydney und Amsterdam sowie an der Marina Bay in Singapur. Installationen realisierte sie unter anderem in Porto, Vancouver, San Francisco und Phoenix, wo sie zu identitätsstiftenden städtebaulichen Wahrzeichen geworden sind. Die für Frankfurt geschaffene Arbeit A Sky Full Of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt (2026) ist das erste längerfristig installierte Werk der Künstlerin in Deutschland und erst das zweite in Europa.

Zu Echelmans Auszeichnungen zählen unter anderem Stipendien der Guggenheim Foundation, der Harvard University und des Aspen Institute, ein Fulbright Senior Lectureship sowie der Smithsonian American Ingenuity Award, mit dem herausragende Innovator*innen in den USA geehrt werden. Sie erhielt die Ehrendoktorwürde der Tufts University und lehrte unter anderem am MIT sowie an den Universitäten Harvard und Princeton. 2025/26 führte sie eine Gastprofessur an die Universität Stuttgart.

Text: Heike Sütter, 2026

Mehr zur Künstlerin: Website Janet Echelman

Website Janet Echelman www.echelman.com

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