Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt

A MODEL FOR A MONUMENT FOR MR. AND MS. HEINRICH DEICHMANN

Objekt: A MODEL FOR A MONUMENT FOR MR. AND MS. HEINRICH DEICHMANN
Standort: Weckmarkt/Saalgasse
Stadtteil: Altstadt
Künstler*in: De Cock, Jan
Material: Sichtbeton, blauer Muschelkalk, Baukeramik
Entstehung: 2017
Aufstellung: 2017
Eigentum von: Stadt Frankfurt, Kulturamt

Hier, am Fuße des Doms, entfaltet Jan de Cocks Skulptur ihr volles Potential. Eine waghalsig komponierte Ansammlung von Elementen aus Sichtbeton, blauem Muschelkalk und Baukeramik, erinnert sie mehr an Bauschrott als an eine traditionelle Skulptur. Mit ihrer rohen Ästhetik widersetzt sie sich einerseits der künstlichen Perfektion der Neuen Altstadt. Andererseits fügt sie sich ein, indem sie auf Frankfurts jüngere und ältere Vergangenheit verweist: auf die Trümmer der kriegsversehrten Altstadt wie auch auf den Abriss des Technischen Rathauses, auf dessen Areal das neue, mittelalterliche Formen zitierende Viertel gebaut wurde. Auch die Farbigkeit von Monument Model ruft die Umgebung auf; denn das Rot zitiert den Main-Sandstein, der die Fassaden hiesiger Altbauten prägt wie auch etwa das Historische Museum und den Portikus.
Die Skulptur gehört zu einem Komplex von sechs Modellen für Monumente, die 2017 für PEACE, eine auf die Schirn zurückgehende Ausstellung im öffentlichen Raum, entstanden. Sie gelten den reichsten deutschen Unternehmern, hier den Deichmanns. Daher lautet der vollständige Titel der Arbeit A Model for a Monument for Mr. and Ms. Heinrich Deichmann.
Der Komplex steht im Zusammenhang der Werkreihe Everything For You EFY, mit der de Cock den von ihm konzipierten Skulpturenkommunismus umsetzt. Dazu gehören erstens die Skulpturen: Geometrisch-abstrakte Module aus billigen Baumaterialien wie Sperrholz, Terrakotta, Metall, Beton werden in verschiedene Städte weltweit transportiert und dort im öffentlichen Raum zu jeweils neuen Konstellationen montiert, meist unter Einbezug der vorgefundenen Umgebung. Hinzu kommt eine Zeitung, deren Ausgaben die jeweils neuen Objektfotografien sowie das vom Künstler verfasste Manifest for Sculpture Communism enthalten. Kern von de Cocks Kritik an Kunst- und Konsumwelt ist sein Konzept des Geschenks: Skulptur zielt bei ihm nicht auf eine unmittelbare marktfähige Absetzbarkeit; sie entfaltet sich stattdessen als Gabe, indem sie sich dem Publikum in den Weg stellt und Fragen evoziert und indem sie die Stadt verändert – letztlich eine Spende an die künstlerische Freiheit.

Text: Christine Taxer, 2021