Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt

Turmzimmer Weißfrauenkirche

Objekt: Turmzimmer Weißfrauenkirche
Standort: Gutleutstraße
Stadtteil: Gutleutviertel
Künstler: Büttner, Andrea
Material: Holzeinrichtung
Entstehung: 2013
Aufstellung: 2013
Eigentümer: Weißfrauen Diakoniekirche

Die Weißfrauenkirche war eine Evangelische Kirche in der Frankfurter Altstadt, die 1944 von Bomben zerstört wurde. 1955/56 wurde, diesmal im Bahnhofsviertel, ein Neubau nach Entwürfen des Architekten Werner W. Neumann errichtet. Das moderne Gebäude besteht aus einem zweigeschossigen Kirchenschiff und einem mit der Kirche im Erdgeschoss verbundenen Turm.

Aufgrund stark zurückgehender Mitgliederzahlen schloss sich die Gemeinde ab 1997 mit anliegenden Gemeinden zusammen. 2004 wurde die Kirche dem Diakonischen Werk übergeben. Seitdem wird die Weißfrauenkirche als Diakoniekirche genutzt und gibt Raum für liturgische, künstlerische und soziale Zwecke.

Ab 2011 fand eine aufwendige Sanierung des Kirchturms statt, den seit 2013 die Arbeit der international bekannten Künstlerin Andrea Büttner bereichert. Sie ersetzte das ursprüngliche Betongitterwerk des Turmes durch Lärchenholz und richtete eine Schlafkammer auf der zweiten Etage ein. Das Turmzimmer, von dem man über das Bahnhofsviertel blickt, gleicht in seiner schlichten, hölzernen Einrichtung einer Mönchsklause, in der Zuflucht und Ruhe inmitten des hektischen Bahnhofsviertels zu finden sind. Die Einrichtung besteht aus einem Bett, Einbauschrank, Schreibtisch mit Stuhl und einem Hängeregal. Auf den Wunsch der Künstlerin ist das Zimmer vor allem für die Benutzung geschaffen und das Diakonisch Werk vertraut Menschen, die dort übernachten wollen, kostenlos für eine Nacht die Schlüssel an. Obwohl viele Obdachlose vor der Kirche Schutz oder im nahegelegenen Diakoniezentrum "WESER5" Hilfe aufsuchen, haben bisher vor allem Journalisten oder Blogger um die Schlüssel gebeten. Außen am Fuß des Turms gewährt ein zwei Meter langes rotes Holzdach Schutz, ein Symbol für das Obdach, das die Diakoniekirche bietet.


Text: Dina Wacker, 2019