Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt

Heldenklage

Objekt: Heldenklage
Standort: Gallus-Anlage
Stadtteil: Bahnhofsviertel
Künstler*in: Elkan, Benno
Material: Schwedischer Marmor
Entstehung: 1913/1914
Aufstellung: 1920
Eigentum von: Stadt Frankfurt

Die Figur einer im Schmerz zusammengesunkenen, trauernden Frau – diese Darstellung Benno Elkans wählte der Magistrat der Stadt Frankfurt 1919 aus, als er ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten errichten wollte. Der Bildhauer hatte die Figur bereits 1913/14 geschaffen; für den Auftrag ergänzte er sie um einen Sockel mit der Inschrift „Den Opfern“.
Das Denkmal zog Kritik von allen Seiten auf sich. Gründe lagen nicht nur auf künstlerischer Ebene – der Ausdruck von Schmerz war angeblich nicht überzeugend, Nacktheit und allzu große Sinnlichkeit störten. Vor allem jedoch brach das Denkmal durch seinen Fokus auf die „Opfer“ mit der Tradition des stolzen Kriegerdenkmals. Und da es „den“ Opfern gewidmet ist, schließt es darüber hinaus auch die der gegnerischen Seite in das Gedenken ein. Nationalkonservative fühlten sich durch die klagende Frauengestalt verletzt: Als Personifikation der Germania verstanden, führt sie ein gebrochenes Deutschland vor Augen, das den Nationalstolz angriff. Die Nationalsozialist*innen schließlich monierten unter anderem, dass dem Denkmal Heldenkult sowie das Pathos des Sterbens für ein Ideal fehlten – Themen, die sich demgegenüber im nahen, 1938 aufgestellten Ehrenmal der 63er wiederfinden.
Zur Ablehnung trug bei, dass Benno Elkan jüdischer Herkunft war. Nachdem er Berufsverbot erhalten hatte, emigrierte er 1935 nach London. Seine Skulptur sollte zerstört werden, wurde aber aus unbekannten Gründen im Betriebshof der Städtischen Straßenreinigung in der Gutleutstraße 220 erhalten. Am 18. April 1946 wurde das Denkmal an seinem ursprünglichen Ort wieder eingeweiht.

 

Text: Christine Taxer, 2021