Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt

Das Waisen-Karussell

Objekt: Das Waisen-Karussell
Standort: Gallus-Anlage
Stadtteil: Bahnhofsviertel
Künstler: Bartana, Yael
Material: Lerchenholz, Stahl
Entstehung: 2021
Aufstellung: Einweihung: 2. September 2021
Eigentümer: Stadt Frankfurt, Kulturamt

Ab September 2021 wird an dieser Stelle ein zeitgenössisches Kunstwerk an die sogenannten Kindertransporte der Jahre 1938/39 erinnern. Entworfen hat es die in Berlin und Amsterdam lebende Künstlerin Yael Bartana. Die Skulptur trägt den Titel The Orphan Carousel: Das Waisen-Karussell.
Die geplante Einweihung konnte im März 2021 aufgrund Corona bedingter Einschränkungen nicht realisiert werden. Die öffentliche Einweihung des Denkmals wird stattdessen am 2. September 2021 stattfinden. Am 01. September eröffnet das Deutsche Exilarchiv 1933-45 in der deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt seine Ausstellung „Kinderemigration aus Frankfurt“. Es findet ein gemeinsames Begleitprogramm statt. Die in Kooperation entstandene Publikation erscheint Ende September im Wallstein-Verlag.
Sie sehen hier das Modell des Karussells und die Künstlerin Yael Bartana beim Probeaufbau in Frankfurt im Sommer 2020.
Sie möchten weitere Informationen? Bitte schreiben Sie eine E-Mail an: jessica.beebone@stadt-frankfurt.de

Auch in Frankfurt entschieden sich viele jüdische Familien unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgung für den Gang ins Exil. Doch nahmen die meisten Länder nur eine begrenzte Zahl von Geflüchteten auf und die Hürden zur Einreise waren hoch. 1938 bot sich den verzweifelten Menschen die Möglichkeit, zumindest ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Mit den rettenden Kindertransporten konnten insgesamt etwa 20.000 Kinder aus dem Land gebracht werden. Großbritannien nahm fast die Hälfte dieser vor allem aus Deutschland und Österreich kommenden Kinder auf. Hier hatten jüdische und christliche Helfer*innen sowie die jüdische Loge B´nai B´rith eine Liberalisierung der Aufnahmebestimmungen bewirkt. Der Frankfurter Hauptbahnhof war für Kinder aus Frankfurt und dem südwestlichen Deutschland der Ausgangspunkt ihrer Fahrt nach Großbritannien. Begleitet wurden sie von Personal der Jüdischen Wohlfahrtspflege und der Quäker. Die Eltern trösteten ihre Kinder − und auch sich selbst – mit der Annahme, dass die Trennung nur für kurze Zeit sein würde. Doch war es für fast alle ein Abschied für immer, da die meisten Zurückgebliebenen in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ermordet wurden. Am 31. August 1939 verließ der letzte Kindertransport Frankfurt.

Das Waisen-Karussell der israelischen Künstlerin Yael Bartana erzählt eine Geschichte von dem Verlust, den zahllose jüdische Familien erlitten haben. Mitten in der Stadt steht ein nostalgisch anmutendes Kinder-Karussell. Auf solchen Spielgeräten haben schon Kinder in den 1930er Jahren auch auf Frankfurter Spielplätzen viel Spaß erlebt. Dieses Karussell lädt aber nicht zum unbedarften Spiel ein. Auf den Seitenwänden in das Lärchenholz eingraviert sind Abschiedsformeln imaginärer Kinder und Eltern. Die Sprache scheint aus der Zeit gefallen und ruft gleichzeitig auch allgegenwärtige Erfahrungen auseinandergerissener, heutiger Familien wach. Die Skulptur darf benutzt werden, ist aber nur sehr schwer in Gang zu bringen und dreht sich stark verlangsamt. Ein sorgloses Spielen wird bewusst ausgebremst. Das Drehmoment ist als Sinnbild zu verstehen: für das Aneinanderschließen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Das Kunstwerk ging aus einem internationalen Wettbewerb hervor.
Die Stadt Frankfurt dankt allen Sponsoren und Beteiligten, die das Denkmal möglich gemacht haben:
Hessische Kulturstiftung, Till Lieberz-Gross, Bärbel Schäfer, Oliver Strank, Verein Jüdisches Leben in Frankfurt e.V.

Text: Kulturamt 2021

Weitere Informationen zu den Kindertransporten:
http://www.juedisches-leben-frankfurt.de/de/home/kindertransporte.html

https://www.frankfurt1933-1945.de/nc/beitraege/show/1/thematik/auswanderung-und-zuzug-von-ausserhalb/artikel/kinderauswanderung-und-kindertransporte/suche/Kindertransporte/