Märchen- oder Schauspielhaus-Brunnen

  
Objekt: Märchen- oder Schauspielhaus-Brunnen
Standort: Untermain-Anlage
Stadtteil: Innenstadt
Künstler: Hausmann, Friedrich (1860 - 1936)
Material: Tiroler Marmor und Bronze
Entstehung: 1901 - 1910
Aufstellung: Einweihung am 25. August 1910

Am Schauspielhaus an der Untermain-Anlage steht der einst von Friedrich Christoph Hausmann geschaffene "Märchen-Brunnen", der früher auch Schauspielhaus-Brunnen genannt wurde. Eine Nymphe aus weißem Tiroler Marmor thront auf dem Brunnenstock. Im Volksmund "Mainweibchen" genannt, hat dafür die 19-jährige Niederräder Wäscherin Margarete Endres, spätere Ehefrau des Musikers Eduard Gelbart, Modell gestanden. Finanziert wurde der Brunnen mit 150.000 Mark aus dem Kunstfonds, den der Leiter der Cassella-Werke in Fechenheim, Leo Gans, gegründet hatte. Dieser Stiftung verdankt die Stadt Frankfurt auch zwei bedeutende Kunstwerke des belgischen Malers und Bildhauers Constantin Meunier: den "Hafenarbeiter" an der Friedensbrücke und den "Sämann" im Günthersburgpark.

Eingeweiht wurde der "Märchen-Brunnen" nach einer Entstehungsphase von neun Jahren am 25.8.1910. Der Jugendstilbrunnen, der einen grottenähnlichen Charakter hat, wird von einer gemauerten Halbschale eingerahmt. Die den Brunnen zierenden Kinder aus Bronze, die Wasser speiende Fabeltiere an sich drücken, wurden während der beiden Weltkriege zweimal eingeschmolzen, um Kanonen daraus zu gießen. Eine in doppelter Hinsicht tragische Misshandlung der Kunst, wenn man bedenkt, dass der Jugendstil immer auch eine Kunstrichtung auf der Flucht vor der Realität war und den Fortschrittsoptimismus der Industriegesellschaft ablehnte. Stattdessen wandte man sich zurück zum Irrationalen, zum Seelischen, zur Mystik. Märchen und Volkssagen boten Künstlern der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einen reichen Themenschatz, der sich in idealer Weise mit Naturdarstellungen verbinden ließ. Für die Jugendstil typischen Formen, fließenden Linien und Ornamente war die Natur stilistisches Vorbild. Besonders Pflanzen- und Wassermetaphern wurden gerne benutzt, um das Gefühl der Allverbundenheit auszudrücken. Seit dem 20. Mai 2006 speien die Fische und Echsen nun wieder Wasser. Sie wurden anhand von Fotografien aus den zwanziger Jahren rekonstruiert.