Marshall-Brunnen

  
Objekt: Marshall-Brunnen
Standort: Taunusanlage
Stadtteil: Innenstadt
Künstler: Stadler, Toni (1888 - 1982)
Material: Bronze und Muschelkalk
Entstehung: 1963
Aufstellung: Eingeweiht am 27. Oktober 1963 zum Gedenken an Georg C. Marshall (1888-1959).

Kurz nach dem Tode von George C. Marshall, regte die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main an, eine Marshallgedenkstätte zu errichten. Im Juni 1962 bekam Toni Stadler den Auftrag ein solches Denkmal zu schaffen. Die Brunnenanlage gehört zu den schönsten in Frankfurt. 1963 wurde der "Marshall-Brunnen" zur Erinnerung an den 1959 verstorbenen Außenminister (1947-49) der Vereinigten Staaten eingeweiht. Marshall war der Urheber des nach ihm benannten Plans, mit wirtschaftlichen Hilfeleistungen der USA das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Europa wieder aufzubauen. Der "Marshallplan" ebnete Deutschland den Weg für das sogenannte Wirtschaftswunder der 60er Jahre. Um die Dankbarkeit für die gewährte, humanitäre Hilfe auszudrücken, hat die Frankfurter Industrie- und Handelskammer dieses Denkmal finanziert.

Toni Stadler, Sohn eines Malers, studierte an der Kunstakademie in München und war 1925-27 Schüler bei Aristide Maillol in Paris. Inspiriert wurde er von der ägyptischen Kunst und frühen griechischen- und etruskischen Skulpturen. Mit Gerhard Mack war Stadler 1935 Gast in der Villa Massimo in Rom. Danach ging er nach Florenz und kam 1938 nach Deutschland zurück. Er unterrichtete von 1940 bis zur Schließung der Städelschule durch die Nationalsozialisten die Bildhauerklasse. 1946 folgte er einem Ruf an die Münchener Akademie und unterrichtete dort bis 1958. Das zentrale Thema seiner Arbeit ist die Darstellung des Menschen und die innere Kraft der Form. Auf Details und individuelle Züge wird weitgehend verzichtet. Fragmenthaft geformte Figuren sind in seinem Werk oft als Ausdruck zerstörter Idealgestalten zu verstehen.

Das runde Wasserbecken ist mit Natursteinen eingefasst. Drei Bronzefiguren gruppieren sich um die Wasserquelle. Sie stellen Grazien der griechischen Mythologie dar und sollen die Anmut im Geben, Empfangen und Danken ausdrücken. Am Wegesrand in Richtung Oper befindet sich jeweils links und rechts ein Stein mit Inschriften. Links Verse der drei Grazien aus Goethes Faust, II. Teil:

"AGLAIA:
ANMUT BRINGEN WIR INS LEBEN;
LEGET ANMUT IN DAS GEBEN
HEGEMONE:
LEGET ANMUT INS EMPFANGEN
LIEBLICH IST´S DEN WUNSCH ERLANGEN.
EUPHROSINE:
UND IN STILLER TAGE SCHRANKEN
HÖCHST ANMUTIG SEI DAS DANKEN."

Rechts:
"DANK UND BLEIBENDES GEDÄCHTNIS
GEORG C. MARSHALL,
DER ALS AUSSENMINISTER DER USA DAS EUROPÄISCHE
WIEDERAUFBAUPROGRAMM DER AMERIKANISCHEN
REGIERUNG BEKANNT GAB. DER DARAUS ENTSTANDENE
MARSHALL-PLAN DER JAHRE 1948-1952 HAT UNSER LAND,
DAS VERNICHTET WAR, WIEDER ZUM LEBEN GEFÜHRT.
FRANKFURT IM OKTOBER 1963."