Heine-Denkmal

  
Objekt: Heine-Denkmal
Standort: Taunusanlage
Stadtteil: Innenstadt
Künstler: Kolbe, Georg (1877 - 1947)
Material: Bronze
Entstehung: 1910 - 1913
Aufstellung: Am 13. Dezember 1913 zu Heines 116. Geburtstag aufgestellt. 1947 restauriert und zu seinem 150. Geburtstag am 14. Dezember 1947 an seinem heutigen Platz aufgestellt.
In der Taunusanlage, unweit des Beethoven-Denkmals, befindet sich das Heinrich Heine-Denkmal. Seine Existenz verdankt es einer Initiative des Frankfurter Theaterintendanten Emil Claar. Gestiftet von Verehrern des Dichters, Schriftstellers und engagierten Journalisten, wurde das Denkmal zu seinem Geburtstag am 13.12.1913 nach mehrjährigen Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Antisemiten in der Friedberger Anlage aufgestellt. Damit gelang in Frankfurt was in Hamburg und Düsseldorf scheiterte. Der Bildhauer Georg Kolbe hatte den 1910 ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen und ein Denkmal geschaffen, das sich nicht an der Physiognomie Heines orientiert, sondern das seine Poesie verkörpern soll. Kolbe positionierte zwei große, dynamisch bewegte Bronzefiguren auf einem Sockel. Einen nackten Jüngling mit weit ausschreitender, tänzerischer Pose. Und zu seinen Füssen sitzend eine Frau, den Kopf stolz abgewendet. Kolbe verlieh dem Paar eine mit Heines Schaffen vergleichbare elegante Leichtigkeit. Auftritte der russischen Balletttänzer Vaslav Nijinsky (1889-1950) und Tamara Karsavina (1885-1878) sollen Kolbe zu seiner Ausführung inspiriert haben. Der Sockel war zudem mit einem Medaillon von Heines Porträt verziert. Darunter stand zu lesen: "DEM DICHTER HEINE".

Am 10. April 1933 forderte der hessische Staatspräsident Frankfurts kommissarischen Oberbürgermeister auf: "Beseitigen Sie, bitte, das Heine-Denkmal, gegen dessen Frankfurter Erstellung ich in stürmischen Versammlungen vor zwanzig Jahren vergebens kämpfte". In der Nacht zum 27. April 1933 wurde das Denkmal durch NS-Sympathisanten vom Sockel gestürzt. Anschließend wurde es offiziell entfernt.

Die Figuren standen lange Zeit in einer verschwiegenen Ecke im Garten des Städels unter der Bezeichnung "Frühlingslied". Es war kein heimlicher Widerstand des Museums. Die Plastik Georg Kolbes entsprach durchaus nationalsozialistischem Kunstgeschmack. Die Nazimacht hatte nur die Beseitigung der öffentlichen Ehrung gewünscht. Bombenangriffe verschütteten das Werk, das jedoch auf wundersame Weise unbeschädigt blieb.

Am 13. Dezember 1947, anlässlich des 150. Geburtstages Heines lässt die Stadt Frankfurt am Main das 1933 geschändete Denkmal an einem neuen Standort in der Taunusanlage aufstellen. In einer Feierstunde erinnerte Oberbürgermeister Walter Kolb (1902-1956) an die Geschichte des Denkmals und sagte, dass das Denkmal einen neuen Standort erhalten hat: "Zwischen der englisch - amerikanischen Kontrollbehörde und den Gebäuden des bizonalen Wirtschaftsrates." Es symbolisiere "den Geist deutscher Demokratie und beschwöre internationaler Verständigung". Noch kurz vor seinem Tode hat Georg Kolbe eine neue Bildnisbronzeplakette für das Denkmal geschaffen. Sie ist heute am neuen Sockel befestigt und trägt die Worte "HEINRICH HEINE". (1)

(1) vgl. Jüdische Denkmäler - Frankfurt, http://jd-f.de/web/