Der "Hafenarbeiter" des belgischen Bildhauers Constantin Meunier am südlichen Brückenkopf der Friedensbrücke erinnert an die Bedeutung des Westhafens - von 1885 bis 1999 in Betrieb - für die Frankfurter Wirtschaft. Heute befindet sich ein modernes Stadtquartier an diesem ehemaligen Warenumschlagsplatz.
Der lebensgroße "Hafenarbeiter" (auch "Lastträger" aus dem Französischen "débardeur" genannt) steht in einem leichten Ausfallschritt, stützt beide Hände in seine Hüften und hat Kapuze und Nackenschutz der Arbeitskluft über den Kopf gezogen. Der selbstbewusste Gesichtsausdruck und die bewegte Pose verleihen ihm stark individuelle Züge. Die Körperhaltung mit Standbein und Spielbein ist typisch für die Menschendarstellungen in der klassischen Antike. Meunier schafft mit seiner Darstellung in Verbindung mit einer naturalistischen Wiedergabe individueller Gesichtszüge eine neue Ästhetik. Seine künstlerische Leistung besteht darin, einen Mann aus dem Proletariat als selbstbewusstes Individuum zu repräsentieren: Ein autarker Charakter in einer zunehmend industrialisierten Gesellschaft.
Meunier thematisiert in seinem gesamten künstlerischen Werk den in Armut und Ausbeutung lebenden Arbeiter des 19. Jahrhunderts, des Zeitalters der Industrialisierung. Der "Arbeiter" wird erstmals kunstfähig und damit zu einer heldenhaften Figur. Meunier steht mit seinem Werk in brisantem Gegensatz zur Kunstauffassung seiner Zeit, in der die Abstraktion beginnt.
Seit ihrer Aufstellung 1910 befindet sich die Bronzeplastik an ihrem heutigen Standort. Zwischen 1950 und 1955 wurde sie wegen Brückenarbeiten vor dem Städel aufgestellt. Ähnliche Skulpturen befinden sich in Antwerpen, Stockholm, Dresden, Kopenhagen und in Lima.
(siehe auch "Sämann" von Constantin Meunier im Günthersburgpark)