Die "Gedenkstele" von Hans Steinbrenner aus dem Jahr 1968 befindet sich an der Stelle, an der Amschel Mayer Freiherr von Rothschild 1845 das "Neue Palais" bauen ließ. Die Inschrift erinnert an die wechselvolle Geschichte des Ortes. Mit einer imposanten Größe von fünf Metern steht sie inmitten eines Blumenarrangements, das den Grundriss des Neuen Palais widerspiegelt. Die schwarze Stele ist viergliedrig und aus afrikanischem "Cabala"-Holz gefertigt. Den stattlichen Besitz im Nordwesten Frankfurts, ein 21,25 Hektar großes Gebiet mitsamt Gutshaus "Grüne Burg", erwarb Amschel Mayer Freiherr von Rothschild 1837 von Peter Heinrich von Bethmann-Metzler, der es ab 1789 führte.
Mit der Errichtung des Palais gestaltete der Gartenarchitekt Friedrich Grüneberg die Außenanlage als einen parkähnlichen Garten. Nach Erweiterung der Parkanlage im Jahr 1877 entwarfen Franz Heinrich Siesmayer und dessen Sohn Philipp den Landschaftspark im Stil eines englischen Gartens.
Der Familienbesitz wurde im Jahr 1935 von den Nationalsozialisten zwangsenteignet und wurde städtisches Eigentum. Der letzte Besitzer Albert von Goldschmidt-Rothschild emigrierte 1938 mit seiner Familie in die Schweiz, wo er sich 1941 das Leben nahm. Die Gebäude wurden bei einem Luftangriff 1944 fast völlig zerstört, die Überreste wurden 1952 abgetragen.
Der Text auf der hölzernen Gedenkstele von Hans Steinbrenner lautet:
HIER IM GRÜNEBURG- PARK STAND DAS "NEUE PALAIS" 1845 FÜR AMSCHEL MAYER FRH. VON ROTHSCHILD ERBAUT +++ 1944 IM LUFTKRIEG ZERSTÖRT +++ BIS 1837 BETHMANNSCHES HOFGUT GRÜNEBURG +++ ANLAGE DES ENGLISCHEN PARKS 1879 - 1901 +++ DURCH HEINRICH UND PHILIPP SIESMAYER +++ STADTPARK SEIT 1938
Steinbrenner, in Frankfurt aufgewachsen, studierte 1946-49 an der Werkkunstschule in Offenbach, 1949-1952 an der Städelschule Frankfurt bei Hans Mettel, 1952-1954 an der Kunstakademie in München bei Toni Stadler (Marshall-Brunnen). Er arbeitet in der Künstlergemeinschaft "Hans & Klaus Steinbrenner" von 1958 bis 1963 mit seinem jüngeren Bruder zusammen und war gemeinsam mit ihm auf der documenta III vertreten. Hans Steinbrenner unterrichtete ab 1974 an der Städelschule Frankfurt.