Ring der Statuen

  
Objekt: Ring der Statuen
Standort: Rothschildpark
Stadtteil: Westend
Künstler: Kolbe, Georg (1877 - 1947)
Material: Bronze, Basalt-Lava
Entstehung: 1933 - 1947
Aufstellung: 1954
Geht man von der Alten Oper durch den Rothschildpark Richtung Westend, kommt man an einer im Kreis stehenden Skulpturengruppe vorbei. Es handelt sich um sieben überlebensgroße Statuen, die zu Georg Kolbes Spätwerk gehören. Die Skulpturengruppe wurde 1941 nach zweijährigen Verhandlungen, in Auftrag gegeben und 1954 nach Kolbes Tod aufgestellt. Wie die Bronzefiguren seines großen Vorbildes Aristide Maillol vermitteln die vier Frauen und drei Männer durch ihre klassische Linienführung einen strengen, aber harmonischen Eindruck. Sechs Statuen konnte Kolbe selbst vollenden: Hüterin, Junges Weib, Amazone, Auserwählte, Herabschreitender und Stehender Jüngling. Die Skulptur des Sinnenden, an der Kolbe bis zu seinem Tod gearbeitet haben soll, hat Richard Scheibe, der von 1925 - 1935 Professor am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt war, vollendet. Die dazugehörigen im Kreis angeordneten 14 Rechtecksäulen rhythmisieren die Figurenfolge und unterstreichen durch ihre aufrechte Position den Eindruck von Erhabenheit in der Gesamtsicht.

Georg Kolbe war einer der erfolgreichsten deutschen Bildhauer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Lebenswerk zeichnet sich durch erstaunliche stilistische Einheitlichkeit aus, die ein Ziel zu verfolgen scheint: das Streben "nach autonomer, zeitgemäßer Menschendarstellung. Als Aktplastiken distanziert sich diese Figur von der Alltagswelt, umso eher vermochte sie den Zeitgeist widerzuspiegeln, Ideale zu verkörpern. Kolbes Menschengestalten der dreißiger Jahre sollten im Sinne Nietzsches als Vorbilder wirken. Während der Bildhauer bisher bewegte Figuren bevorzugt hatte, herrschen nun gelassen stehende Gestalten vor. Im Ring der Statuen vereinigte Kolbe sieben Frauen- und Männerfiguren zu einer Gemeinschaft auserwählter Menschen. Kolbes neuem Figurenideal, dem kräftige, muskulöse Körper entsprachen, war von der NS-Propaganda verwendbar. Der Künstler hatte sich jedoch nicht vereinnahmen lassen und u. a. den Auftrag zu einem Hitler-Porträt abgelehnt. Er engagierte sich für expressionistische Künstlerfreunde, z. B. als letzter Präsident des 1936 verbotenen Deutschen Künstlerbundes. Für Kolbe blieb es jedoch auch in der NS-Zeit wichtig, seine Werke in Ausstellungen zu zeigen, womit er die Kunstpolitik des Regimes indirekt unterstützte." (1)  
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(1) Dr. Ursel Berger, Georg Kolbe Museum, Berlin